Der Sommer ist da

Es wird jetzt Zeit, daß du kommst nach Hause,

Der Sommer hat sich auf das Land gelegt,

Dein Garten träumt von dir, ist ungepflegt,

Und deine Rosen duften ohne Pause.

Jetzt ist die Zeit, da alle Früchte reifen,

Gesänge durch die bunten Gärten ziehn,

Wo alle Blumen um die Wette blühn,

Wir sonnentrunken nach den Wolken greifen.

Der Sommer hat jetzt seine hohe Zeit,

Die Tage lodern hell wie Brände,

Es locken Seen, weiße Strände,

Dein Urlaub dort ist nun zu Ende.

Komm mit jetzt! In des Sommers Fröhlichkeit!

Manfred Hansherbert Schmidt

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Ein Ostergedicht

Das Osterfest, das hat Gewicht,
schreib' mal darüber ein Gedicht!
So sprach zu mir mein Redakteur,
ging dann zu seinem Starfriseur.

Mit dem Problem ließ er mich sitzen,
jetzt muß ich über Reime schwitzen. 
Bei Dichtern könnt' ich online schau'n,
darf aber nicht von ihnen klau'n.

Tucholsky ließ den Osterhas'
die Eier legen in das Gras.
Dem Möricke war's einerlei,
ob zuerst Henne oder Ei.

Beim Geibel mußten Lerchen steigen,
um jubelnd Ostern anzuzeigen. 
Dem Heine zog ein Frühlingslied
lieblich läutend durchs Gemüt.

Herrn Eichendorff konnt' nichts verdrießen,
er sah das Gras aus Gräbern sprießen.
Der Goethe putzte Menschen schön,
ließ sie im Fest spazieren geh'n.

Ich werde mich nach Goethen richten,
das sag' ich jetzt dem Redakteur.
Soll doch mein Chef alleine dichten,
ich will auch Ostereier sichten.
Doch vorher geh' ich zum Friseur.


Manfred Hansherbert Schmidt

Hot-Maschine

Es gab in den fünfziger Jahren einen Mann in der Stadt, der hieß Alexander Unikowitsch, der machte sich damals unentbehrlich, weil er Russisch sprach. Er war nach Ende des Ersten Weltkrieges als ehemaliger Kriegsgefangener in der Stadt geblieben und hatte sich als Weißgardist ausgegeben. Nun war er plötzlich rot und diente sich den neuen Machthabern an. Als Sekretär der örtlichen deutsch-sowjetischen Freundschaftsgesellschaft sollte er über die wirkungsvolle kulturelle Schiene den Freundschaftsgedanken in die Massen tragen. Deshalb verfügte die Organisation über größere finanzielle Mittel, das wußten wir. Denn wir brauchten immer Geld, um unsere Band besser auszustatten. Diesmal wollte unser neuer Schlagzeuger, Klaus „Trotter“ Nowack, seine „Schießbude“ erneuern, denn er hatte nur zwei alte Trommeln und verbeulte Becken übernommen.

Als wir einmal im Saal des Café Concordia für die DSF spielten, fand sich die richtige Gelegenheit. Jonny sprach Unikowitsch an und zeigte ihm die ramponierten Teile des alten Schlagzeugs. Der war zunächst mißtrauisch, wollte kein Geld rausrücken. Wir mußten ihm versprechen, regelmäßig für seine DSF-Organisation zu spielen. Und zwar „anständige“ Musik und nicht diese amerikanische Hot-Musik. Wir versprachen es ihm und Trotter erhielt einen Auftrag zum Kauf von Schlaginstrumenten. Er hatte schon vor längerer Zeit bei der Instrumentenhandlung Nitschke in Stendal eine sogenannte Charlestonmaschine bestellt und zurückstellen lassen. Sie war der Traum eines jeden Schlagzeugers; Trotter meinte, damit könne die Band besser swingen.

Wir taten es dann auch, als wir wieder im Concordia spielten, diesmal für einen anderen Veranstalter. Das überwiegend jugendliche Publikum war begeistert von unserer flotten Musik, wie man damals sagte. Und es tanzte auch entsprechend freizügig. Und Trotter trommelte begeistert auf seinen neuen Instrumenten herum, so daß wir ihn zeitweise bremsen mußten.

In dieser Situation tauchte Unikowitsch auf, der die neuen Schlaginstrumente begutachten wollte, was er schon angekündigt hatte. Wutentbrannt schwenkte er ein Papier die Rechnung mit einem größeren dreistelligen Betrag. Trotter hatte die Kaufanweisung großzügig ausgelegt und ordentlich eingekauft. Neben der Maschine hatte er noch einige Trommeln in sein Dienst-Barkas geladen und war überglücklich heimgefahren.

Alex schäumte innerlich vor Wut, als wir ihm die Charlestonmaschine vorführten. Die Trommeln ließ er noch gelten, aber diese amerikanische Hot-Maschine! Sie war absolut ungeeignet für sein geplantes Kulturensemble, in dem wir mitspielen sollten. Nun hatte er seine Pläne ausgeplaudert, wir versprachen mitzumachen um ihn zu beruhigen, wollten wir doch um jeden Preis unsere neue „Schießbude“ behalten. Natürlich wurde nichts aus seinen Plänen, es gab schon zu viele Kulturgruppen. Der Mann hatte nicht die geringste Ahnung vom Aufbau einer Kulturgruppe oder gar eines Ensembles. Zudem war er völlig unmusikalisch. Später wurde er von seiner Funktion abgelöst.

Trotter Nowack war unser Techniker, er hatte Rundfunkmechaniker gelernt, war dann umgestiegen in den Kraftfahrerberuf. Er bastelte eine transportable Röhren-Verstärkeranlage. Sie besaß nur zwei Eingänge für Mikrofon und Gitarre und einen Ausgang für die Tonsäule, in der zwei Lautsprecher steckten. Die Anlage war störanfällig, oft saß Trotter mit Lötkolben und Zange hinter der Bühne, um die Anlage zu reparieren. Ein kleiner Knall und eine Qualmwolke aus dem Holzkasten hatten signalisiert, daß der Verstärker mal wieder überlastet gewesen war. Eine Werkzeugtasche mit Ersatzteilen führte er immer bei sich. Wir mußten oft in die eigene Tasche greifen, um die Ersatzteile zu bezahlen. Es kam auch vor, daß der Strom ausfiel, wir spielten dann bei Kerzenschein weiter. Das tat der Stimmung keinen Abbruch. Heutzutage wäre Musik ohne Verstärkung nicht denkbar, geradezu unmöglich.

(Auszug aus dem Erzählband „…und wir machten Musik mit Jonny“,

Erinnerungen an die fünfziger Jahre. Erschienen im Treibgut Verlag, 12,00 €, ISBN 978-3-941175-65-5. Erhältlich im Buchhandel und beim Autor)